Kinderentwicklung mit 10 bis 12 Monaten

 

Entwicklung der Motorik

Das Kind ist nun fähig alleine zu sitzen, es benötigt keine Hilfe mehr von den Erwachsenen und kann so lange wie es möchte sitzen bleiben. Aus dem Sitzen heraus kann es sich über eine Seitendrehung in den Vierfüßlerstand begeben. Dabei bewegt es sich auf Händen und Füßen fort. Auch aus dem Krabbeln heraus kann diese Stellung erreicht werden. Die meisten Kinder versuchen durch das Krabbeln, jede Ecke ihres Zuhauses zu entdecken und zu erreichen. Dabei schrecken sie dann auch nicht mehr vor Treppen zurück, sie erklimmen sie vorwärts. Um wieder herunter zu kommen, wird die Treppe rückwärts herunter gekrabbelt.

Vom Sitzen können sich die Kinder an Möbeln, oder am Hosenbein der Eltern, in den Stand hochziehen. Wenn es sich an Gegenständen oder den Eltern fest halten kann, gelingen dem Kind schon ein paar unsichere tapsige Schritte. Jetzt ist größere Vorsicht bei den Eltern geboten, denn die Kinder kommen im Stehen an alles, was nicht aus ihrer Reichweite entfernt wurde heran und ziehen es herunter. Dabei können sie sich leicht verletzen. Gegenstände, die auf dem Boden liegen, werden von dem Baby mit dem Pinzettengriff aufgehoben. Dies gelingt ihm sogar aus dem Stand heraus, wenn es sich mit einer Hand irgendwo festhalten kann.Bauklötze werden gerne aufeinander gestapelt und mit Vergnügen zum einstürzen gebracht. Die Motorik der Hände ist so weit ausgeprägt, dass das Kind auch kleine Gegenstände aufheben und festhalten kann. Kinder in diesem Alter lieben „Fingerfood". Sie essen am liebsten aus der Hand und mit der Hand. Zwieback und Kekse sind dafür sehr gut geeignet, das Kind speichelt sie erst ein, wenn sie dann weich sind, isst es sie. Die Kinder versuchen zwar mit einem Löffel zu essen, wenn man ihnen einen gibt, aber es ist eine schwierige Übung Löffel, Mund und Hand richtig zu koordinieren. Eine Tasse, mit zwei Griffen an den Seiten, zu halten gelingt aber schon gut und die Kinder schaffen es selbständig zu trinken.

Entwicklung der Sinne


Dem Baby wird immer mehr bewusst, dass es ein eigenständiges Individuum ist. Dies macht ihm allerdings auch Angst, es sucht ganz extrem die Nähe zur Mutter. Wenn diese den Raum verlässt, fangen die Kinder oft an zu weinen. Das „ Fremdeln", hat zu dieser Zeit seinen Höhepunkt erreicht. Sollen die Kinder zu einer Tagesmutter oder immer mal wieder zu einem Babysitter, ist es sinnvoll diese Personen möglichst früh mit dem Kind in Kontakt zu bringen, damit sie als vertraute Personen anerkannt werden und es keine Probleme gibt. 
Das Gehirn des Kleinkindes ist sehr viel weiterentwickelt als bisher. Sie können sich jetzt länger konzentrieren und zum Beispiel bestimmte Gegenstände mit den passenden Tätigkeiten in Verbindung bringen. Die Spielsachen, die das Kind zum Spielen bekommt, sollten die Konzentration sowie das Wiedererkennen fördern. Ein schönes Spiel für Eltern und Kind stellen drei Becher dar, unter einem von diesen kann etwas versteckt werden und das Kind hebt dann die Becher hoch, um es wieder zu finden. 

Beim Spielen lässt das Kind seinen Gefühlen freien lauf. Freude, Stolz, Wut und Frust kann es zeigen, um sein Gefühlsleben den Eltern verständlich zu machen. Es kann auch bewusst Zuneigung zeigen und verteilt gezielt Umarmungen. Wird dem Baby zwischendurch alles zu viel, kann es auch mal mit einem Tobsuchtsanfall reagieren, die Eltern sollten ihrem Kind das als Ventil zugestehen und es erst beruhigen, wenn es sich selber schon wieder etwas beruhigt hat.

Das Baby verbindet sich selber mit seinem Namen und reagiert, wenn die Eltern es rufen. Am besten reagieren die Kinder auf Wörter, die mit einem „A-Laut" enden, daher sind „Mama" und „Papa" auch so gern genutzte Wörter.

Entwicklung der Sprache

Die Eltern haben jetzt das Gefühl, ihre Kinder verstehen alles, was ihnen gesagt wird. Zeigen die Eltern ihnen ein neues Spielzeug und sagen immer wieder den Namen dazu, schaut das Kind interessiert zwischen dem Spielzeug und den Eltern hin und her. Es wird behauptet, dass diese Dreiecksbeziehung der Beginn der Sprachentwicklung ist.

Die ersten Wörter tauchen zwischen dem zwölften und achtzehnten Monat auf. Wenige Kinder sprechen schon mit neun Monaten, dann sind es meistens Mädchen und andere lassen sich mit dem Sprechen bis zum dreißigsten Monat Zeit. In jeder Familie lernen die Kinder anfangs andere Wörter, so dass ein eigener Wortschatz entsteht. Die Eltern hören mit der „Babysprache" auf, sobald ihre Kinder zum ersten Mal richtige Wörter aussprechen.

Körperliche Entwicklung

Das Baby wiegt jetzt ungefähr neun bis zehn Kilo und ist etwa vierundsiebzig Zentimeter groß. Wachstum und Gewichtszunahme verlangsamen sich weiter. Die Kinder haben sich in diesem Jahr sehr weit entwickelt. Vom kleinen recht hilflosen und vollständig auf die Eltern angewiesenen Baby zum sich selbst fortbewegenden und sprechenden kleinen Persönchen.

Soziale Entwicklung

Das Kind ist nun so weit entwickelt, dass es die Reaktionen seines Gegenübers deuten kann. Es versteht, wenn es etwas falsch macht und erkennt, wofür es Lob bekommt. Die meisten Kinder setzen dann diese Erkenntnis gezielt ein, um ihre Eltern zu ärgern oder Zuneigung zu bekommen.

Immer noch ist das gemeinsame Spielen eines der schönsten Erlebnisse für ein Kind. Es liebt Versteckspiele, zum Beispiel das „Kuck-Kuck-Spiel". Auch bunte Bücher mit beweglichen Teilen sind sehr beliebt. Das Kind lernt schnell, wie die Figuren oder Tiere in den Büchern heißen und zeigt auf diese, wenn es danach gefragt wird. Lob ist hier die größte Motivation für das Kind, neues zu lernen.

Förderung der Entwicklung

Motorisch gefördert wird das Kind jetzt durch jegliche Art von Spielen mit den Eltern. Bauklötze stapeln oder kleinere Dinge in größere hineinstecken, fördern die Feinmotorik des Kindes. Alles, was geschoben oder gezogen werden kann, unterstützt das Laufen lernen von Kindern, die ihre ersten Erfahrungen im Laufen schon gesammelt haben. Die Konzentration sowie das Wiedererkennen wird durch das Anschauen von Büchern gefördert.

Sprachlich können die Eltern ihren Kindern helfen, in dem sie die Wörter, die die Kinder sagen, aufgreifen und verbessern. Wenn ein Kind zum Beispiel „Ato" sagt, sollten die Eltern es fragen ob es „Auto" gemeint hat und das Wort einige Male richtig wiederholen. So lernen die Kinder, die richtige Aussprache mit dem zu vergleichen, was sie selber gesagt haben.